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Krankenhauskeime – wichtige Fakten, Hintergründe und häufige Irrtümer

Der Begriff „Krankenhauskeime“ ist im Alltag zwar weit verbreitet, fachlich aber ungenau und oft irreführend. Häufig entsteht dadurch der Eindruck, dass diese Erreger nur im Krankenhaus vorkommen, dort besonders gefährlich sind und im Infektionsfall automatisch dem Krankenhaus die Schuld zugeschrieben werden kann.


Infektionserreger kommen jedoch nicht nur in Krankenhäusern vor, sondern überall dort, wo Menschen eng zusammenkommen oder medizinisch versorgt werden, zum Beispiel auch in Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen, Kitas, Schulen oder bei größeren Veranstaltungen. Das gilt nicht nur in Deutschland, sondern grundsätzlich überall.


Besiedlung ist nicht gleich Infektion


Eine Besiedlung bedeutet, dass Infektionserreger auf der Haut, auf Schleimhäuten oder in Organbereichen wie Magen-Darm-Trakt, Blase oder Atemwegen nachweisbar sind, ohne dass Krankheitszeichen auftreten. Ein Erreger kann also vorhanden sein, ohne dass die betroffene Person erkrankt ist.


Personen mit einer Besiedlung haben im Vergleich zu nicht besiedelten Personen ein höheres Risiko, später eine Infektion zu entwickeln. Gleichzeitig ist wichtig: Eine Besiedlung muss nicht dauerhaft bestehen. Sie kann durch gezielte Maßnahmen zurückgehen oder, zum Beispiel im Magen-Darm-Bereich, teilweise auch von selbst wieder verschwinden.


Der menschliche Körper trägt zudem eine große Zahl nützlicher Mikroorganismen. Dieses sogenannte Mikrobiom schützt den Körper und unterstützt wichtige Funktionen. Wird dieses Gleichgewicht gestört, etwa durch ungeeignete oder unnötige Medikamente, kann das die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.


Was ist eine Infektion?


Von einer Infektion spricht man, wenn Erreger in den Körper eindringen, sich dort vermehren und Beschwerden oder Erkrankungen auslösen. Typische Zeichen können je nach betroffenem Bereich Rötung, Schwellung, Schmerzen, Erwärmung, Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl sein.


Auch Beschwerden wie Durchfall, Blähungen, Entzündungen oder Reizungen können auftreten, insbesondere dann, wenn der Magen-Darm-Trakt betroffen ist oder die natürliche Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist.


Was sind nosokomiale Infektionen?


Mit dem Begriff „Krankenhauskeime“ wird oft die Vorstellung verbunden, dass diese Erreger besonders schwer zu behandeln sind und häufig tödlich verlaufen. Diese Sorge ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz.


Krankenhäuser sind verpflichtet, Infektionen und Erregernachweise systematisch zu erfassen und zu dokumentieren. Dafür gibt es spezielle Hygienestrukturen, klare Vorgaben und regelmäßige Kontrollen. Auch Gesundheitsämter überprüfen Einrichtungen in festgelegten Abständen und begleiten Maßnahmen bei auffälligen Geschehen.


Gerade weil in Krankenhäusern genau hingeschaut und dokumentiert wird, werden dort Infektionen sichtbar und statistisch erfasst. Das trägt mit dazu bei, dass der Eindruck entsteht, Infektionen träten dort besonders häufig auf.


Wie hoch ist das Risiko?


Nach Schätzungen treten in Deutschland jährlich mehrere hunderttausend nosokomiale Infektionen auf. Im Zusammenhang damit werden auch 10.000 bis 20.000 Todesfälle pro Jahr genannt. Gleichzeitig zeigen Auswertungen, dass nur ein kleiner Teil aller nosokomialen Infektionen durch resistente Erreger verursacht wird.


Außerdem ist bekannt, dass eine Besiedlung mit Erregern deutlich häufiger vorkommt als eine tatsächliche Infektion. Nicht jeder Keimnachweis bedeutet also automatisch eine Erkrankung.


Resistente Erreger, wie entstehen sie?


Resistente Erreger entstehen, wenn Mikroorganismen auf Medikamente nicht mehr ausreichend ansprechen. Besonders bekannt ist das bei Bakterien gegenüber Antibiotika. Solche Resistenzen entwickeln sich vor allem dann, wenn Medikamente falsch, unnötig, in ungeeigneter Dosierung oder nicht lange genug eingenommen werden.


Wichtig ist auch die Unterscheidung der Medikamente: Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Antimykotika wirken gegen Pilze, nicht gegen Bakterien oder Viren. Antivirale Medikamente wirken gegen bestimmte Viren. Wird das falsche Medikament eingesetzt, hilft es nicht gegen die eigentliche Ursache und kann gleichzeitig unerwünschte Folgen haben.


Übrigens: In Ländern, in denen Antibiotika in Apotheken frei verkäuflich sind, ist die Zahl resistenter Erreger häufig höher als in Deutschland. Das zeigt, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika ist und warum diese hierzulande nur kontrolliert abgegeben werden.


Dazu gehört auch, dass die natürliche Schutzflora des Körpers beeinträchtigt werden kann. Das kann Beschwerden wie Durchfall, Blähungen, Reizungen oder Entzündungen begünstigen und die Ausbreitung resistenter Erreger fördern.


Was kann man selbst tun?


Man kann selbst dazu beitragen, Infektionen und Resistenzen einzudämmen:

  1. Verordnete Medikamente gegen Infektionen sollten nur nach ärztlicher Anweisung, in der richtigen Menge und über den vorgesehenen Zeitraum eingenommen werden.

  2. Medikamente, die für den verursachenden Erreger nicht geeignet sind, sollten nicht eigenständig eingenommen werden.

  3. Bei Besuchen in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder anderen sensiblen Einrichtungen sollten die Basishygieneregeln beachtet werden.

  4. Wer selbst Anzeichen einer Infektion hat, sollte auf Besuche möglichst verzichten.

  5. Husten- und Niesetikette sowie Händehygiene sind besonders wichtig.

  6. Hinweise auf zusätzliche Hygienemaßnahmen in der Einrichtung sollten unbedingt beachtet und bei Unsicherheit beim Personal nachgefragt werden.


Die häufigsten Irrtümer über Krankenhauskeime

„Krankenhauskeime sind für alle Menschen extrem gefährlich.“


Nicht unbedingt. Für gesunde Menschen besteht meist kein erhöhtes Risiko. Gefährlicher werden Infektionen vor allem für ältere, kranke oder immungeschwächte Personen.


„Krankenhauskeime entstehen, weil Krankenhäuser schmutzig sind.“


Das ist ein Irrtum. Gerade in medizinischen Einrichtungen gelten besonders strenge Hygienevorgaben, Kontrollen und Schutzmaßnahmen.


„Krankenhauskeime sind unbesiegbar, weil Antibiotika nicht mehr wirken.“


So pauschal stimmt das nicht. Resistente Erreger sind schwerer zu behandeln, aber es gibt weiterhin wirksame Therapien und gezielte Maßnahmen.


Fazit


Das Thema Krankenhauskeime ist wichtig, sollte aber differenziert betrachtet werden. Erreger gibt es nicht nur im Krankenhaus. Entscheidend sind gute Hygiene, eine klare Einordnung von Besiedlung und Infektion, der verantwortungsvolle Umgang mit Medikamenten und ein sachlicher Blick auf Risiken. So lässt sich das Thema verständlich erklären, ohne unnötig Angst zu machen.


Haben Sie noch Fragen?


Bei Fragen wenden Sie sich gerne an unser Gesundheitsamt unter: gesundheitsamt@stadtsuhl.de.




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